Der neue jüdische Friedhof

Führung Zentralfriedhof Wien - Neuer Jüdischer Friedhof

Trotz mehreren Erweiterungen und mit seinen 60.000 Gräbern bot der alte jüdische Friedhof einfach nicht mehr genügend Platz. Daher wurde 1911 das östlich an den evangelischen Friedhof anschließende Grundstück von der Israelitischen Kultusgemeinde gekauft.

Bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges war die Eröffnung des neuen jüdischen Friedhofs mit etwa 250.000 m2 erst im April 1917 möglich.
Die Zeremonienhallen auf beiden jüdischen Friedhöfen wurden in der Reichskristallnacht 9./10. November 1938 zerstört.

Beide, der alte und der neue jüdische Friedhof am Zentralfriedhof werden von der Israelitischen Kultusgemeinde betreut. Von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) wurden in den Jahren 2008/09 21 Ehrengräber saniert.
Es ist eine ruhige, verwachsene Friedhofslandschaft mit einer orthodoxen Abteilung.
Möglich ist ein unerwartetes Rendezvous mit Reh und Hase...

Prominenz:
Leo Fall 1873 – 1925 Komponist, Kapellmeister
Armin Berg 1883 – 1956 Kabarettist, Schriftsteller

Gemeinsames Leid, gemeinsames Gedenken an einem traurigen Platz:
die Gräber der „Judenchristen“

Führung Zentralfriedhof Wien - Neuer Jüdischer Friedhof

800 Verstorbene, die nach den NS-Gesetzen (Nürnberger Gesetze) Juden, doch in der Mehrheit christlich getauft oder konfessionslos waren, wurden von 1941 – 1945 am neuen und auch alten jüdischen Friedhof beigesetzt, da die Begräbnisse auf christlichen Friedhöfen von den NS-Machthabern verboten wurden. Mehr als 140 der hier beigesetzten Menschen wählten Selbstmord, insbesondere in den ersten Monaten nach Einführung der Kennzeichnungspflicht und vor der Deportation…
Im Zeichen der christlich-jüdischen Verbundenheit erfolgte am 11.11.2003 um 11:00h auf dem Jüdischen Friedhof, Gruppe 18 K, die Enthüllung eines gemeinsamen Gedenksteines.

Viele der kleinen Grabsteine, größere konnte man nicht leisten, sind hier nicht mehr sichtbar, so auch bei der Gruppe 19 K; sie sind eins mit der Erde und Gras bedeckt sie …
Selten kommen Besucher hierher – und so flackert im äußersten Winkel des Wiener Zentralfriedhofes auch nur ganz vereinzelt ein Licht für Verstorbene.


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